FLÄMING
Der Fläming erhielt einstmals seine Oberfläche im Abschnitt der Erdgeschichte, den die Wissenschaftler als Eiszeitalter bezeichnen. Sein östlicher Teil wird Niederer Fläming genannt. Die Eiszeit begann vor ca. 22.000 Jahren, hatte ihren Höhepunkt vor 17.000 Jahren und endete vor etwa 12.000 Jahren. In diesem Zeitraum wuchsen in Skandinavien gewaltige Gletschermassen heran und unter der eigenen Last rutschten riesige Eismassen mehrmals über unseren Landstrich. Die Moränen haben flache Hügellandschaften geschaffen, welche von ausgedehnten Wäldern bedeckt waren. Sichtbare Zeugnisse aus der Eiszeit sind die Findlinge.
Germanische Stämme, die Semnonen, die das Kernvolk der Sueben (bzw. Sweben) bildeten, beherrschten das Gebiet um 500 v. Chr. bis in das 2. Jahrhundert. Sie betrieben Viehzucht und Körnerbau. Als das nur unzureichend bearbeitete Feld nicht mehr alle Bewohner ernähren konnte, wanderten ganze Stämme und Geschlechter aus. Die Völkerwanderung begann etwa um das Jahr 375.
In der nachfolgenden Zeit gaben die Semnonen ihre angestammten Gebiete auf und verließen sie, so dass ab dem 5. bis 6. Jahrhundert slawische Stämme, die in alten Chroniken oft als Wenden bezeichnet werden, still und
kampflos in die Gegend einziehen konnten. Mit den benachbarten Deutschen kämpften sie fast vier Jahrhunderte um den Besitz des von ihnen besiedelten Landes. Ab 937 unterwirft Markgraf Gero die eingewanderten Slawen. Das Land wird in das Heilige Römische Reich eingegliedert.
Die Gründung des Bistums Brandenburg erfolgt 948. Die Gegend geht im Jahr 983 durch die siegreiche Erhebung der Slawen gegen Kaiser Otto II wieder verloren. Das deutsche Volk erstärkte in der Mitte des 12. Jahrhunderts und im Jahr 1157, welches auch als Geburtsjahr der Mark Brandenburg angesehen wird, konnten die Wenden endgültig durch den Askanier-Fürsten Albrecht der Bär unterworfen werden. Das Land um Jüterbog wird Provinz des Bistums Magdeburg. Der Erzbischof Wichmann von Magdeburg erhält es im Jahr 1160. Sein Name und der des Askanier-Fürsten
ist für alle Zeiten mit dem Fläming verknüpft. Beide haben hier bis an ihr Lebensende an der Gewinnung dieses Landteils gearbeitet. Albrecht der Bär ernannte sich zum Markgraf von Brandenburg und seine Söldner und Ritter bekamen Besitz und Burgen, damit die kulturelle Durchdringung folgen konnte. Der folgsame wendische Adel erhielt gleiche Rechte und Pflichten. Diese Maßnahmen genügten nicht und mehr Deutsche mussten herkommen. Eine große Sturmflut richtete an der flandrischen Nordseeküste 1164 grauenvolle Verwüstungen an und zwang viele Einwohner sich ein neues zu Hause zu suchen. Der Erzbischof Wichmann schickte seine Boten nach Westen aus, um Siedler für das neu erworbene, dünn besiedelte Land anzuwerben. Besonders im dicht bewohnten und von Überschwemmungen heimgesuchten Flandern fanden sich viele Familien und junge Leute, die mit ins unbekannte Land gingen, mit dem Versprechen und der Hoffnung gute Weiden und Triften zu finden und von Abgaben befreit zu sein. Auch Meeranwohner aus Holland und Seeland zog es in die Hochebene. Der weite Weg wurde unter Führung der Lokatoren (Werber), auch "Schulze" oder "Bauermeister" genannt, zurückgelegt. Unterwegs schlossen sich den Trecks auswanderungswillige Kolonisten aus dem Niederrhein, Unterrhein, Westfalen, Franken und Niedersachsen an. Zu dieser Zeit entstand das
alte flamländische Auswanderungslied
. Bei der Zuteilung der Hofstelle, Vergabe der Feldmark sowie Wahl der Dorfstelle hatten die Lokatoren ein gewichtiges Wort zu sagen. Der Anfang gestaltete sich schwer. Die Menschen mussten in den ersten Jahren und Jahrzehnten um ihr Brot und Dasein ringen und den Boden urbar machen. Aus den überwiegend flämischen Kolonisten, die insbesondere nach Jüterbog und Umgebung zogen, wurden Fläminger. Dieses Gebiet heißt deshalb heute noch Fläming.